Putzfrauen nützlicher als Banker

Die unabhängige Londoner Denkfabrik NEF (New Economics Foundation) hat ermittelt, dass Finanzmanager zum Wohl der Allgemeinheit wesentlich weniger beitragen als etwa Putzfrauen in Krankenhäusern oder Müllmänner. Im Gegenteil: Sie vernichten sogar Werte. Gesellschaftlich noch destruktiver als Banker seien Werbefachleute und Steuerberater.

NEF hatte versucht, den Nutzen verschiedener Berufe für die Gesellschaft zu messen. Fazit: Extrem hohe Gehälter seien nicht gerechtfertigt, vielmehr müsse ein gesundes Verhältnis zwischen Löhnen und dem tatsächlichen Wert der Arbeit herrschen.

Laut der Studie vernichten Top-Banker mit Einkommen von über eine Million Euro das Siebenfache des Betrages, den sie verdienen, Steuerberater zerstören sogar das 47-fache. Und für Werber zahlt die Gesellschaft das Elffache ihres Einkommens.

Im Gegensatz dazu schaffen etwa Putzfrauen in Krankenhäusern einen gesellschaftlichen Mehrwert von 10 Euro pro verdientem Euro. Müllmänner generieren dank ihrer Arbeit das Zwölffache von dem, was sie verdienen, an Nutzen für die Allgemeinheit, Kinderbetreuer das Achtfache.

Urbane Ländlichkeit

Ungewöhnliche Aufmachung, ungewöhnliches Kochbuch. Dabei klingt die Ausgangslage mehr als bedenklich: Ehemalige Miss Austria sichtet nicht ganz neuen Trend und macht ein eigenes Kochbuch. Das Ergebnis überrascht jedoch: Marielle Moosmann erarbeitete gemeinsam mit Fotograf Adolf Bereuter ein sehr modernes kulinarisches Porträt ihrer Heimat, des Bregenzerwaldes.

Man begibt sich mit ihr auf eine Reise nach Lingenau, Hittisau, Bezau, Mellau, Bizau, Schnepfau, Schoppernau oder einfach Au und lernt nicht zuletzt dank der wunderbaren Fotografien den ganz eigenen Charakter dieses Fleckchens Österreich kennen. Porträts von Spa-Hotels wie dem Kuschelhotel Gams oder der Post, beide in Bezau, beweisen, wie viel Urbanität man „am Land“ finden kann, wie eng verwebt diese scheinbar gegensätzlichen Begriffe sein können.

Die Küchenlinien, die man in den von Moosmann ausgewählten Restaurants findet, beschreiben die urbane Ländlichkeit auf ihre Art, ohne Worte, dafür durch Zutaten und Zubereitungsarten: Da wird zum Beispiel im Schulhus in Krumbach eine regionale Variation eines Dessertklassikers geboten, eine Mädesüß-Crème-brulée mit Marillen und Sauerampfereis. Oder man verpasst einem an sich schweren Käseknödel eine ordentliche Portion Luftigkeit und macht ihn zu einem soufflierten Knödel, serviert mit Rahmspinat.

Gänseblümchen werden zu Kapern eingelegt und mit einer knusprigen Walnusshippe und Ziegenkäsecreme kombiniert, Bregenzerwälder Schafkäse wandert als Tiramisu in ein Glas, Gebirgshonig aromatisiert ein Parfait und eine Rehkeule wird zum Sauerbraten verfremdet.

Im Anhang findet sich neben den Adressen der porträtierten Restaurants und Hotels auch eine Liste mit Einkaufsmöglichkeiten: von der Kleinkäserei in Schwarzenberg über die Holzschuherzeugung in Bezau.

Fazit: Die meisten der üblichen handgestrickt-biederen Regional-Kochbücher sollten sich „Min Wauld“ zum Vorbild nehmen. Freilich: So modern wie der Bregenzerwald ist eben auch kaum eine ländliche Gegend.


Rezepte im PDF Format:
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Weiterführende Links: Wellnesshotels

Marielle Moosmann:
Min Wauld
Menschen, Küchen und Rezepte im Bregenzerwald

Residenz Verlag, 167 Seiten
30 Euro


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