Grippe: Milliardengeschäft mit Panikmache

Die Schweinegrippe macht Tamiflu zum begehrtesten Medikament der Welt. Vertreiberfirma Roche sackte bisher 1,7 Milliarden Euro für Tamiflu-Lieferungen an Regierungen weltweit ein. Riesige Aktienanteile an der amerikanischen Erfinderfirma Gilead besitzt übrigens der ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (während seiner Amtszeit kaufte die US-Armee Grippemittel um zwei Milliarden Dollar, davor galt das Weihnachten 1994 erfundene Mittel als Verkaufs-Flop), der Ex-US-Außenminister George P. Shultz sitzt im Aufsichtsrat.

Tamiflu-Erfinder ist der gebürtige Vorarlberger Nobert Bischofberger, sein Geld hat er gut angelegt: in den Bau eines Wellnesshotels im Bregenzerwald.

Bravo Schweizer!

Über das Verbot von Minaretten kann man unterschiedlicher Meinung sein. Die einen werden die Probleme des Islam mit den Menschenrechten anführen oder gar den türkischen Premier Erdogan zitieren – „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette sind unsere Bajonette. Und die Kuppeln sind unsere Helme“ –, andere wiederum könnten freilich dafür eintreten, dass die katholische Kirche zumindest einen kleinen Teil ihrer gähnend leeren Gotteshäuser an Moslems verkauft oder wenigstens vermietet und das Austauschen des Kreuzes gegen die Sichel gestattet. Da ist wohl überall was dran. Unumstößliches Fakt ist aber, dass das Schweizer Volk dagegen gestimmt hat. Warum sie es getan haben? Vielleicht ist ihnen der Islam unheimlich, unheimlich im Sinn von „nicht zur Heimat gehörig“, und nach diesem Motto bloß ein Signal gegen die Überfremdung.

Auch wenn die meisten Nicht-Schweizer-Medien zum „Die arme Schweizer Regierung muss nun ausbaden, was ihr die dumme Bevölkerung eingebrockt hat“-Klagelied anstimmen: Wir müssen froh sein, dass es die Schweiz gibt. Ein Land, das die Demokratie schon verinnerlicht hatte, als andere in Europa noch Kaisern und Königen gehorchten, ein Land, das es geschafft hat, sich seit Jahrhunderten aus allen Kriegen rauszuhalten, ein Land, das als eines der ersten Länder weltweit die Todesstrafe abgeschafft hat – per Volksabstimmung.

Die Schweizer können froh sein, dass sie gefragt werden und abstimmen dürfen. Niemand muss also in der Schweiz Rechtspopulisten wählen, weil die anderen Parteien eine abgehobene, verlogene und bürgerferne „Bonzokratie“ praktizieren, die jeden Tag ein bisschen mehr an die Zustände in Orwells „1984“ erinnert.

Jüngstes Beispiel dafür: Innenministerin Fekter trat zwar öffentlich vehement gegen die Weitergabe von Daten innereuropäischer Banküberweisungen an US-Geheimdienste (ohne richterliche Erlaubnis) auf, als sie dann aber einen Ja-Beschluss der EU verhindern hätte können, enthielt sie sich der Stimme …

Nichts für Inder

Man kann ihn getrost einen Getriebenen nennen: Gerd Wolfgang Sievers widmet sich wie kaum ein Anderer den Tiefen und Untiefen unserer Esskultur. Moden sind ihm weniger wichtig als das Verstehen von Traditionen, vom Entstehen und Ineinandergreifen kulinarisch-kultureller Codes.

Sein jüngstes Opus Magnum ist das Rindfleischkochbuch „Rind & Co“, erschienen im Christian Brandstätter Verlag. Sievers spürte weltweit der Bedeutung dieses Fleisches nach, das sowohl in der Haute Cuisine seinen Platz hat als auch in der Arme-Leute-Küche. Seine Erkenntnisse: Die Verwendungsmöglichkeiten sind unglaublich vielfältig. In manchen Kulturen wird Rind wie wild gewürzt, in anderen (wie etwa in der klassischen Wiener Küche) lässt man den ihm ureigenen Geschmack möglichst pur zur Geltung kommen. Rindfleisch lässt sich, im Gegensatz etwa zu Schwein oder Huhn, auch roh essen, was die Möglichkeiten noch einmal vermehrt. Und da so eine Kuh gar nicht so klein ist, hat sie dementsprechend mehr nutzbare Teile als ein Huhn, Teile, von denen man genau wissen muss, für welche Garmethoden sie sich eignen. Das mag ein Grund dafür sein, dass Rind heute in Privatküchen immer weniger verkocht wird: Was unkompliziert scheint – etwa ein Steak –, ist teuer, und die günstigeren Teile brauchen Wissen ob ihrer Zubereitung, damit sie nicht zäh werden.

Der Autor versammelt in diesem Buch Spezialitäten wie Roastbeef mit dem klassischen englischen Yorkshirepudding, der mit Rindernierenfett zubereitet wird, gedämpftes Rindfleisch auf Szechuanart, Madras-Curry aus Indien, die schwedischen Fleischbällchen Köttbullar, die hierzulande von einem gewissen schwedischen Möbelriesen bekannt sind, die russische Suppe Borschtsch oder argentinischen Rindfleischeintopf. Sievers’ Lieblingskapitel: „Was vom Rind sonst noch gegessen wird. Von Huf bis Hofen“. Darin zu finden: Gerichte wie gepökelte Ochsenzunge mit grüner Sauce aus Deutschland, Busecca, Kuttelsuppe aus Mailand, Stierhoden, Euter oder die karibische „Soup for a strong boy“, die mit diversen Rind-Extremitäten aufwartet.

Nettes Detail: Jedes Buch ist ein Unikat, da für die Einbände Plüsch mit Kuhfellaufdruck verwendet wird, der je nach Zuschnitt ein anderes Muster ergibt.


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Gerd Wolfgang Sievers:
Rind & Co. Alles rund ums Rindfleisch
Christian Brandstätter Verlag, 296 Seiten
34,95 Euro


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