Freiheitsberaubung scheibchenweise

Eigentlich sind wir alle ziemlich dumm. Denn wieder einmal lassen wir uns von der EU blühenden Unsinn vorschreiben, ein weiteres Scheibchen Freiheit abschneiden, ohne der ausufernden Brüsseler Bürokratie Einhalt zu gebieten: Ab dieser Woche beginnt das stufenweise Verkaufsverbot für Glühbirnen. Der Einzelhandel darf noch seine Lagerbestände verkaufen, dann ist Schluss. Die Zöllner sind angewiesen, Glühlampen, die bei Reisenden gefunden werden, zu beschlagnahmen. Das erinnert unweigerlich an die DDR, damals wurden unsere Koffer freilich nur nach Micky-Maus-Heften oder Büchern von Jean Paul Satre durchwühlt.

Durch das Verbot und den Zwang zum Einsatz von Energiesparlampen sollen jährlich vier Promille (!) der europäischen CO2-Emissionen eingespart werden. Das ist erstens fast nichts und zweitens stimmt die Rechnung gar nicht. Denn unter dem Strich – also Betrieb inklusive Herstellung und Entsorgung brauchen Energiesparlampen sogar mehr Energie als herkömmliche Birnen. Hinzu kommt, dass sie nicht nur ein grässliches, unnatürliches Licht ausstrahlen, sondern – zumindest bei sensiblen Menschen – auch Stress erzeugen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass dieses Kaltlicht hormonelle Störungen, Schwindel und neurologische Probleme auslöst. Weiters sind Energiesparlampen Leuchtstoffröhren und damit hoch giftig, enthalten sie doch bis zu fünf Milligramm Quecksilber. Schon ein Milligramm reicht aus, um 5.300 Liter Trinkwasser zu verseuchen. Das Einatmen von Quecksilberdämpfen führt bereits in kleinsten Dosen (0,1 bis 1 mg täglich) zu chronischen Vergiftungen, da 80 Prozent des eingeatmeten Quecksilbers im Körper gespeichert werden.

Jedenfalls ist’s ein Milliardengeschäft für die Hersteller, die ohne diese haarsträubende Hilfe aus Brüssel auf ihren Energiesparlampen sitzen geblieben wären. Und vielleicht macht das Beispiel auch Schule, sodass uns die Industrie in Zukunft unattraktive Ladenhüter (weil: zu teuer, mangelhafte Leistung) über EU-Gesetze zum Kauf verordnet.

Wenn Sie das nächste Mal im Glühbirnenregal ins Leere greifen, halten Sie eine kurze Trauerminute für das, was uns die Politiker einst über die EU versprochen haben: einen sicheren Rahmen für unsere Freiheit.

Enttäuschung brutal

Mehr als 100 Fälle von „Paris-Syndrom“-Erkrankungen werden im Pariser Saint-Anne-Spital alljährlich diagnostiziert. Betroffen sind nur Japaner. Sie reisen in die Stadt ihrer Träume, erwarten elegante Menschen voll Charme und Lebenslust, eine hervorragende Küche, exquisite Weine, glanzvolle Kultur und das strahlende Leben schlechthin. Doch statt der erwarteten „Die fabelhafte Welt der Amélie“-Romantik sehen sie sich häufig mit Unfreundlichkeit und Respektlosigkeit konfrontiert – und zerbrechen buchstäblich an der Realität. Das „Paris-Syndrom“ beginnt mit leichten Angstgefühlen, die sich bis zu einer Art Verfolgungswahn steigern. Betroffene trauen sich nicht mehr auf die Straße und schließen sich in Hotelzimmern ein; in schweren Fällen droht Suizidgefahr.

Österreichische Küche, geradezu intellektuell

Joachim Gradwohl ist wahrlich zu beneiden: Er werkt in der – überraschend kleinen – Küche des österreichischen Gourmetaushängeschilds schlechthin, des Meinl am Graben, wo man an der Kassa an einem Samstagvormittag schon einmal zwischen Musicalstar und Justizministerin zu stehen kommen kann. Gradwohl hat mit den Regalen der Delikatessengroßmacht sofortigen Zugriff auf eine riesige Auswahl von Produkten. Bestens gereifte Käse, die verschiedensten Öle, frische Meeresfrüchte und auch Kinkerlitzchen wie die von Kaiserin Sisi so geliebten kandierten Veilchen, die Joachim Gradwohl für sein Schokoladesoufflee medium braucht, – alles nur einen Katzensprung von der Küche entfernt. Und was nicht lagernd ist, kann dank des Netzwerks an Kontakten, wie sie ein Sortiment wie das des Meinl am Graben braucht, leichter beschafft werden als anderswo. Ein nicht zu verachtender Startvorteil für den Dreihaubenkoch also. Und er nützt diesen mit der ihm eigenen Bescheidenheit und Ruhe. „Der beste Brav-Koch“, urteilte der Restaurantkritiker der Tageszeitung „Die Presse“ einmal. Das darf man getrost als Kompliment nehmen, in Zeiten der inflationär auftretenden Ziegenbartköche mit latentem Hang zur Publicity, deren vorwitzige Stachelfrisur das einzige ist, was dereinst aus dem Füllhorn ihrer unausgegorenen Ideen noch herauslugen wird.

Nun hat der Christian Brandstätter Verlag „Das große Julius Meinl Kochbuch“ herausgebracht. Ein aufwendig fotografiertes, über 220 Seiten starkes Hardcoverbuch, in dem das berühmte und mittlerweile aus Gründen der Political Correctness vieldiskutierte Meinl-Logo, der Mohr, nicht zu übersehen ist. Die Rezepte sind fest in der österreichischen Küche mit den hier üblichen Zutaten verankert, wirken jedoch auf jene geradezu intellektuell wirkende Art durchlüftet, für die Gradwohl bekannt ist: Eierschwammerl-Buttermilchsuppe mit Wachtelei etwa, Zanderlbackerl mit Rote-Rüben-Ravioli, Kalbsbries und Kalbskopf mit Eierschwammerln und Zucchiniblüte oder Saiblingsfilet im Baguette mit Kohlrabi.
Die Zutatenlisten sind für das Buch eines Michelinstern-Kochs geradezu unverschämt kurz – da haben wir schon Anderes und weitaus Unbrauchbareres gesehen. Sympathisch! Und wohl typisch Gradwohl.


Rezepte im PDF Format:
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Joachim Gradwohl, Udo Kaubek:
Das große Julius Meinl Kochbuch
Verlag Christian Brandstätter, 224 Seiten
29,90 Euro


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