Ab in die Schrottpresse?

Verschrottungsprämien für Altwagen sind seltsam: Hat man sich nicht noch bis vor kurzem Mühe gegeben, das Auto als CO2-Schleuder und Umweltsünder ersten Ranges darzustellen? Und gesagt, dass dem Klimaschutz höchste Priorität zukommen soll? Doch jetzt heißt es: Geld vor Umwelt.

Wer etwas gegen den Klimakollaps tun will, sollte weiterhin sein altes Auto fahren, da die natürlich auch die Herstellung eines Autos enorme Mengen an CO2 produziert. Oder einen Gebrauchtwagen kaufen, der die CO2-Last seiner Produktion längst abbezahlt hat.

Rechnen Sie selbst: Sie kaufen ein neues Hybridauto, das produktionsbedingt bereits eine „Benzinschuld“ von 3.800 Litern auf dem Buckel hat und von nun an nur 5 Liter auf 100 km verbraucht. Wenn Sie beispielsweise einen gebrauchten Offroader kaufen, der 11 Liter säuft, dauert es rund 70.000 km, bis beide ökologisch quitt sind. Das sind etwa sechs Jahre bis zum CO2-Gleichstand.

Nutzlose Vitamin-Präparate

Wer bislang geglaubt hat, dass die Einnahme von Vitamin-C- und E-Präparaten das Risiko, an bestimmten Krebsarten zu erkranken, verringern könnte, wird eines besseren belehrt: Zwei groß angelegte Studien kommen nun zum gegenteiligen Schluss. Es gibt keinerlei Hinweise darauf. Im Gegenteil: Vitamin-C-Präparate können die Wirkung einer ganzen Reihe von Medikamenten gegen Krebs sogar negativ beeinträchtigen.

Spitzen-Banker ruft nach Demut

Alexander Dibelius, der Deutschland-Chef der US-Bank Goldman Sachs, fordert die Finanzbranche zu „kollektiver Demut“ auf. Er kritisiert, dass „Gewinne privatisiert, aber Verluste sozialisiert“ – also auf alle abgewälzt – werden. Und: Dass vieles in seiner Branche „gierig, selbstbezogen und realitätsfremd“ ist.

Life Ball obszön: Toleranz nur für Gleichdenkende

Toleranz, aber nur für Gleichdenkende: Der Life Ball ist laut Organisatoren zwar das Symbol für Offenheit und Toleranz schlechthin, allerdings nur solange man ihn nicht kritisiert. Denn selbst ein harmloser Society-Reporter wurde gesperrt, nachdem er es im Vorjahr tatsächlich gewagt hatte, einen kritischen Sager von Niki Lauda – „Ich finde es merkwürdig, dass drinnen für Safer Sex geworben wird, während gleichzeitig Besucher hinter dem Rathaus ungeschützen Geschlechtsverkehr haben“ – zu senden. Wie kann man auch nur: Dem an die Endzeit im Alten Rom erinnernden Dekadenz-Spektakel im Wiener Rathaus Scheinmoral unterstellen.

Zwar ist der Event – neben der Werbung für beziehungslosen, gleichgeschlechtlichen Sex – vor allem ein Symbol für ausschweifenden Hedonismus und hemmungslose Selbstverliebtheit, aber es geht ja um eine gute Sache. Und wen interessiert es schon, dass man in den Industrieländern nicht an Aids, sondern vor allem an Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten stirbt oder weltweit tagtäglich 30.000 Kinder verhungern – das ist halt nicht so hipp!

Nicht nur für Müsli-Professoren

Soja und Tofu – diese Begriffe haben eine ziemliche Karriere durchlaufen. Vor einigen Jahren setzte man Tofu noch mit Birkenstocksandalen, schrumpeligen Äpfeln in einer dunklen Ecke des Bioladens und miefigen handgestrickten Schafwollpullover an ewig weltverbessernden Müsliprofessoren gleich, er galt als seltsamer Fleischersatz für militante Veganer, also für Leute, die den Konsum tierischer Produkte völlig ablehnen. Und Soja war nicht viel mehr als die salzige, dunkle Sauce beim Chinesen ums Eck, die zu fast allem passte (weil sie einfach alles übertünchte).

Heute sind die Begriffe nicht nur lifestyletechnisch aufgehellt, nämlich aus der dunklen Mief-Ecke ins strahlende Licht von schicken Frauenzeitschriften oder Kochsendungen mit ziegenbärtigen Herd-Jungstars gerückt, sondern auch kulinarisch. Sojaprodukte sind schließlich nicht nur als öde Brokkolileibwächter zu brauchen. Sondern etwa fürs Dressing zum Avocadosalat. Oder für Mandel-Tofu-Nockerl. Oder für orientalische Rindfleisch-Tofu-Bällchen mit Pinienkernen. Oder für…

Das Buch „Soja – der leichte Genuss“ aus dem Kneippverlag stellt die gesunde Bohne von allen Seiten vor, beleuchtet den gesundheitlichen Nutzen genauso wie die Einsatzmöglichkeiten in der Küche. Die Rezepte klingen durchwegs attraktiv und einfallsreich, etwa die Anleitung für „Frosti-Tofu“. Denn wer schon einmal einen Block Tofu eingefroren hat, weiß, dass dieser nicht so aus dem Tiefkühler kommt, wie man vielleicht glauben mag. Nämlich nicht nur hart. Sondern auch durchlöchert. Nach dem Auftauen sieht Tofu aus wie ein Schwamm und nimmt daher die Aromen besser auf, ist also sehr empfänglich für Marinaden aller Art. Da sich der Eigengeschmack von Tofu immer noch in Grenzen hält, ist Tieffrieren also nicht die schlechteste Vorbereitungsart für dieses Sojaprodukt. Auch süße Rezeptvorschläge halten die Autorinnen Elisabeth Fischer und Irene Kührer bereit: Mangocreme, Mohnparfait oder Tofu-Grieß-Nockerl lassen sich aus Soja genauso herstellen wie salzige Gerichte.

Fazit: Die ernährungsbewusste Ader muss schon ein bisschen ausgeprägt sein, damit man sich ein ganzes Buch zum Thema Soja zulegt, dieses Buch ist aber sicher eine gute Wahl.

Elisabeth Fischer, Irene Kührer:
Soja
Der leichte Genuss
Kneippverlag, 192 Seiten
19,90 Euro


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