Das Bad Blumauer Manifest


Wellness einmal anders: Vor wenigen Tagen hat der Hotelier Robert Rogner jr. sein „Bad Blumauer Manifest“ über Ursachen und Behebung der Missstände in unserem Wirtschaftssystem veröffentlicht. Klar formuliert, einfach zu verstehen – und so erfrischend anders als das typische Politikergebrabbel. Wir bringen einen Auszug:

„Die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die Wirtschaftskrise liegen seit langem auf den Tisch. Sie werden von innovativen Unternehmern seit Jahren erprobt und weiter entwickelt, jetzt müssten sie nur noch als relevante Größen in den internationalen Wirtschaftskontext integriert werden.“

1. Neue Bilanzierungsregeln
Die zurzeit gültigen Bilanzierungsregeln (Basel II) sichern jenen Unternehmen die beste Kreditwürdigkeit, die nachweislich in möglichst kurzer Zeit mit möglichst geringem Risiko möglichst viel Gewinn erzielen. Wozu das führt, haben etwa die „Heuschrecken“ bewiesen: weniger Mitarbeiter, weniger Forschung & Entwicklung und letztendlich die Zerschlagung von Unternehmen. Darum konnten „Finanzblasen“ erst entstehen.

Daher brauchten wir neue Bilanzierungsregeln: Die Kreditwürdigkeit von Firmen muss an Faktoren wie die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Geschäftspartnern sowie an ökologische Aspekte geknüpft werden. Neben dem Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital muss sich etwa auch das Verhältnis zwischen Gewinn und Mitarbeiterzufriedenheit auf die Bonität auswirken. Wer nachhaltig wirtschaftet, muss also günstigere Kredite bekommen.

2. Qualifikation
Von den derzeit agierenden Wirtschaftskapitänen ist nicht zu erwarten, dass sie die Krise, die sie selbst verursacht haben, meistern. Sie haben den Schaden ja nicht aus bösem Willen angerichtet, sondern weil sie auf den Shareholder Value und auf Gewinnmaximierung um jeden Preis eingeschworen wurden. Maximalem Stress ausgesetzt, haben sie vielfach das Reflektieren der Folgen ihres Handelns verlernt und – mangels Außensicht – „blinde Flecken“ entwickelt.

Die derzeitigen Akteure können aber auch nicht einfach ausgewechselt werden. Es geht also darum, ein neues Bewusstsein in der bestehenden Managementelite zu schaffen. In neuen Bewertungssystemen für die Unternehmen muss deshalb auch berücksichtigt werden, wie viel Zeit im Jahr Spitzenmanager für Selbstreflexion und Selbstreinigung in geistiger, seelischer und körperlicher Hinsicht aufwenden.

Es geht dabei nicht etwa um einen zusätzlichen Urlaub, sondern um einen planmäßigen, vom Unternehmen verlangten Rückzug, wie er etwa im japanischen Spitzenmanagement einst Tradition hatte. Denn nur wer sich innerlich selbst umgestellt und gereinigt hat, kann die Wirtschaft umstellen und reinigen: Mit schmutzigen Händen bezieht man kein neues Bett.

3. Globale Verantwortung
Die Wirtschaft der Industriestaaten ist auf Kosten der armen Länder immer höher in den Himmel gewachsen. Mit zunehmender Höhe wird aber die Statik immer schwieriger. Deshalb muss ein globaler Ausgleich in den Bewertungsrichtlinien für Firmen berücksichtigt werden.

Die Industriestaaten werden etwas kürzer treten müssen, was ihrer Bevölkerung aber mehr Lebensqualität bringt. Denn der Wachstumswahn hat eines der wichtigsten Güter der Menschheit – die Zeit – unerträglich verknappt. Globaler Ausgleich bringt Entschleunigung für alle.

Böser Gast, guter Gast

Hotelbewertung einmal anders: Eine Umfrage unter 4.000 Hoteliers weltweit ermittelte die beliebtesten Gäste. Dabei wurden in verschiedenen Kategorien wie etwa „Beliebtheit im eigenen Land“, „Benehmen“, „Höflichkeit“ oder „Ordnung/Sauberkeit“ zwischen null und zehn Punkten vergeben. Auf den ersten Platz (31 Länder) schafften es die Japaner. Dank ihres guten Benehmens, ihrer Höflichkeit, ihrem Sinn für Ordnung und Sauberkeit, wo sie nur noch von den Deutschen übertroffen werden, sowie aufgrund ihres zurückhaltenden Auftretens erreichten sie 68 Punkte.
Bei den Fremdsprachenkenntnissen landeten sie allerdings unter den schlechtesten fünf; gemeinsam mit den Franzosen, den Chinesen, den Italienern und den Russen. Nach Meinung der Hoteliers zeigen die Japaner zudem wenig Interesse an den landestypischen Köstlichkeiten und teilen dieses kulinarische Desinteresse mit den Chinesen, Indern, Russen und Mexikanern. Allerdings sind die Japaner bei den Hoteliers vor allem auch deswegen besonders beliebt, weil sie sich am seltensten beschweren. Hier sind die Amerikaner die absoluten Spitzenreiter, gefolgt von den Deutschen, die sich auch gerne beklagen.

Österreicher fielen durch ihre Großzügigkeit auf. Weniger spendabel zeigen sich die Kanadier, die Inder, die Franzosen, die Chinesen und allen voran die Deutschen, die am geizigsten von allen Touristen weltweit sind. Auf der anderen Seite stehen die Amerikaner als die spendabelsten, gefolgt von den Briten, den Russen, den Japanern und den Italienern.
Geht es nach den Hoteliers, stehen die Deutschen – sie zählen nicht nur zu den geizigsten Gästen, sondern beschweren sich auf sehr häufig und gehören mit zu den unhöflichsten Urlaubern – weit oben auf der Beliebtheitsskala. Grund dafür sind ihr Interesse an der Landessprache, an den landestypischen Köstlichkeiten sowie ihr Sinn für Ordnung und Sauberkeit. Außerdem gehören sie hinter den Japanern und Chinesen zu den Gästen, die sich am ruhigsten verhalten und auch bei ihrer Bekleidung bekamen sie durchwegs sehr gute Bewertungen von den Gastgebern.

Die US-Amerikaner, die in der Gesamtwertung gemeinsam mit Thailand den elften Platz erreichten, fallen in den Hotels dieser Welt vor allem durch Unhöflichkeit und schlechtes Benehmen auf. Auch in der Kategorie Ordnung und Sauberkeit führen die US-Amerikaner die Negativliste an, weiters gelten sie als am schlechtesten gekleidet.
Am besten kleiden sich die Italiener, gefolgt von den Franzosen. Auch die Briten, Deutschen und Japaner haben Stil und kommen damit unter die ersten Fünf.

Die Chinesen legen nach der Einschätzung der Hoteliers nicht nur ein schlechtes Benehmen an den Tag, sondern sind auch unordentlich, schlecht gekleidet, beherrschen kaum Fremdsprachen und interessieren sich nicht für die kulinarischen Besonderheiten eines Landes. Außerdem gehören sie zu den geizigsten Gästen. Die einzigen Pluspunkte erhielten sie dafür, dass sie sich nur sehr selten beschweren und sich besonders leise verhalten.
Ebenfalls schlecht schneiden die Inder ab, die durch schlechtes Benehmen, mangelnden Ordnungssinn, geschmacklose Kleidung und wenig Interesse an den kulinarischen Highlights der besuchten Länder auffallen. Aber auch die Franzosen gehören zu den unbeliebtesten Gästen der Hoteliers – nicht nur im eigenen Land. Sie benehmen sich schlecht, sind unhöflich, beherrschen keine Fremdsprachen, sind geizig und laut und beschweren sich darüber hinaus noch relativ häufig. Aber sie zeigen Interesse und probieren gerne einmal landestypische Spezialitäten aus.

Das Ranking:
68 Punkte: Japaner, sie gelten als höflich und großzügig (Platz 1)
53 Punkte: Deutsche sind knauserig, hinterlassen aber saubere Zimmer (Platz 2)
51 Punkte: Kanadier sind sogar in kanadischen Hotels gern gesehen (Platz 3)
44 Punkte: Österreicher sind unauffällig, aber zumeist großzügig (Platz 9)
42 Punkte: US-Amerikaner sind sehr schlecht gekleidet, geben aber viel Trinkgeld (Platz 11)
39 Punkte: Italiener sind zumeist gepflegt und gut gekleidet
37 Punkte: Spanier sind im eigenen Land besonders unbeliebt
32 Punkte: Russen haben einen notorisch schlechten Ruf
31 Punkte: Franzosen gelten als unhöflich, geizig, laut und desinteressiert
28 Punkte: Inder hinterlassen oft ein Chaos
27 Punkte: Chinesen gelten als geizig und unhöflich (letzter Platz von 31)

Informationen: www.expedia.de

Aroma und Textur

Auch 2009 muss ein gutes Jahr für Simon Taxacher werden. Wurde er im Vorjahr zum österreichischen „Koch des Jahres“ gewählt, zeichnete ihn für dieses Jahr der Guide Michelin mit zwei Sternen aus (mehr wurden in Österreich bisher nicht verliehen). Und zusätzlich liegt sein erstes Kochbuch „Aroma und Textur“ in den Buchhandlungen. Ein bildbandähnliches Kaliber mit aufwendigen Fotos, das seinen Werdegang und den seines Restaurants Rosengarten im Tiroler Kirchberg ebenso ausführlich darstellt wie seine „Küchenphilosophie“, wie es unter Gourmetschreibern so schön heißt. Wenn in Autoren-Kochbüchern Küchenstile beschrieben werden müssen, liegt der Griff in die immergleichen Schubladen nahe. Meist wimmelt es dann nur so von „Maximen“ und „Credos“. Und dass für das „perfekte Genusserlebnis“ meist „beste Produkte“ verwendet werden sollen und eine „profunde technische Ausbildung“ ebenso wichtig ist wie „Einfallsreichtum“, kann angesichts der Flut derartiger Bekenntnisse seitens kochbuchschreibender Köche nicht mehr als Novum angesehen werden. Nehmen wir dies alles einfach kurz zur Kenntnis und widmen wir uns lieber dem brauchbaren Output von „Aroma und Textur“: Der ist vielleicht auf den ersten Blick weniger groß, scheint doch Taxachers Werk wieder eines jener Bücher zu sein, die mehr Werkverzeichnisse eines Künstlers sind als Kochanleitungen für den Haushalt.

Dementsprechend lang lesen sich manche Zutatenlisten, dementsprechend viele „Grundrezepte“ (also Extratouren wie Fonds, die im Anhang stehen) sind notwendig, um ein komplettes Gericht fertigzustellen. Für „Gebratene Gänsestopfleber auf gestockter Mandelmilch“ etwa muss man bei drei verschiedenen anderen Rezepten nachschlagen, um Mangokompott oder Mandelschaum herzustellen – diese Praxis birgt eine gewisse Unübersichtlichkeit, zeigt aber auch, wie variabel die Gerichte Taxachers mit ihren vielfältig einsetzbaren Elementen gestaltet sind.

Für hochambitionierte Hobbyköche mit genügend Freizeit ist das Buch ein Gewinn, da Taxachers satt-sinnliche frankophile Art zu kochen wirklich Gusto macht. Wer weniger Zeit hat, aber über ein wohlausgeprägtes Grundwissen verfügt, pflücke sich aus den Rezepten die Teile heraus, die leicht zum Erfolg führen und dennoch Klasse haben: etwa das Bananensoufflé, das sich als erstaunlich wenig aufwendig erweist. Man muss es ja nicht gleich mit gebrannter Pistaziencreme und Bananensorbet servieren, es macht auch solo Eindruck. Weitere empfehlenswerte Einzelelemente: Traubentarte etwa (ohne Senfeis, den Frischkäse ohne Geleehülle) oder Apfel-Blutwurst-Canneloni. Es geht ja auch ohne Stör aus dem Hagebuttenrauch …


Rezepte im PDF Format:
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Simon Taxacher:
Aroma und Textur
Umschau, 232 Seiten
58 Euro

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