Good look, bad taste

Geht es Ihnen auch so? Man kauft im Supermarkt Obst und Gemüse. Alles ist groß, sieht wunderschön aus, nur der Geschmack fehlt. Warum das so ist? Für den internationalen Handel zählt nicht der Geschmack, sondern die Transport- und Lagerfähigkeit. Daher züchtet man so genannte „Turbosorten“. Mit Hilfe spezieller Chemiedünger wachsen diese sehr schnell und lagern dabei viel Wasser ein. Das sieht dann gut aus, aber leider fehlen Zucker, Säuren und Aromen. Zudem werden Tomaten, Melonen, Ananas und Co. geerntet, lange bevor sie reif sind. So lassen sie sich länger lagern. Allerdings bilden sich die meisten Aromen erst in der Endphase des Reifungsprozesses, der, so will es der Handel, frühzeitig abgebrochen wird. So manches Obst wird zudem mit Kohlendioxid begast, damit es länger hält. Auch das dient nicht gerade dem Geschmack.

Bierbauch? Schrumpfhirn!

Alkoholkonsum lässt das Gehirn schrumpfen, bei Frauen sogar viel stärker als bei Männern. Das fanden Neurologen des Wellesley College in Massachusetts heraus. Bei den 1.800 Testpersonen zeigte sich eine direkte Beziehung zwischen der Menge des getrunkenen Alkohols und der Größe des Gehirns. Auch schon der Konsum geringer Mengen von Alkohol schlug sich auf das Hirnvolumen nieder.

Koche lieber leidenschaftlich!

Das Kochbuch für Leute mit Geschmack. Sagt der Untertitel des neuen Werks der Vier-Hauben-Brüder Obauer aus dem salzburgerischen Werfen. Das könnte man jetzt so stehen lassen, eine uneingeschränkte Kaufempfehlung hinterherschicken und die Rezension hiermit beenden. Denn dieses Buch ist einfach gut.

Damit Sie es aber auch wirklich kaufen, schießen wir noch ein paar Begründungen nach: Karl und Rudi Obauer sind wirklich Köche. Keine Selbstvermarkter, die auf sämtlichen Gurkenhobeltauschbörsen antanzen und für Produkte mit ihrem Namen werben. Sondern Köche, die als solche einfach kochen. Köche, die sich charmant enttäuscht zeigen, wenn man nach vielen Gängen einfach nicht mehr kann. „Seid ihr nicht zum Essen gekommen?“ Die beiden sind einfach sympathisch.

Was sich in „Koche lieber leidenschaftlich!“ niederschlägt: Die Texte heben sich wohltuend von den üblichen Genussschwelgereien ab, pseudointellektuelles Gourmet-Geschwafel ist der Brüder Sache nicht. Die Texte – und auch die Rezepte! – lesen sich wunderbar ironisch und pointiert. Etwa wenn Trüffeln „zwecks besonderer kulinarischer Erbauung und sinnvoller Verwertung überschüssiger Finanzmittel“ über eine Kartoffeltorte gehobelt werden. Wenn von „Hobbykochpersonen“ mit dem geklammerten Nachsatz „geschlechtsneutrale, diskriminierungsfreie Ausdrucksform“ die Rede ist. Oder wenn Karl und Rudi Obauer den Brauch kommentieren, Mürbteig zum Blindbacken mit Hülsenfrüchten zu beschweren, „weil er sonst Blasen wirft oder sonst was Unziemliches tut“.

Die Gerichte der Brüder Obauer sind nicht einfach solche. Es sind modernisierte Miniaturen der österreichischen Kochtradition, Stückchen von kunstvoller Einfachheit. Bevor die Obauers einen Speisenentwurf mit ihrem typischen Augenzwinkern beenden, wird vorher noch kräftig links und rechts in die internationalen Abzweigungen geschielt, der österreichische Weg aber nicht verlassen. Was dann dazu führt, dass ein Kapitel zwar „Fernöstliches“ heißt, für Fischtempura aber der heimische Waller verwendet wird. Und der Blutwurst im Backteig mit Kernölmayonnaise eine Auster zur Seite gestellt wird, während die Kalbsstelze mit Kokos, Vanille und Grießknödel daherkommt. Dass sich Karl und Rudi Obauer mit ihrer Art zu kochen immer schon dem Vorwurf der Beliebigkeit und des Tappens in die Fusionsküchen-Falle ausgesetzt haben, ist ihnen indes egal: Ihre Standardparade: „Wenn es aber doch schmeckt…“ Recht haben sie.

Rezepte im PDF Format (Fotos © Herbert Lehmann/Knaur):
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Karl und Rudolf Obauer:
Koche lieber leidenschaftlich!

Knaur, 224 Seiten
29,00 Euro


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