T-Shirt vor Hamburger

Etwa 125 l Wasser verbrauchen wir pro Tag für Duschen, Waschen, Kochen und ähnliches. Rechnet man jedoch die Menge an Wasser hinzu, die benötigt wird, um all die Produkte zu produzieren, die man so kauft, dann sind es 4.000 l täglich! Denn 200 l Wasser etwa stecken allein in einem Glas Milch, 8.000 l in einem Paar Schuhen, 14.000 l in einem Kilogramm Rindersteak – in einem Burger sind’s immerhin noch 2.400! Weitere Beispiele:

• 10 l – A4-Blatt
• 13 l – Tomate (70 Gramm)
• 32 l – Mikrochip (2 Gramm)
• 35 l – Tasse Tee
• 75 l – Glas Bier
• 120 l – Glas Wein
• 140 l – Tasse Kaffee
• 190 l – Glas Apfelsaft
• 200 l – Glas Milch
• 2.000 l – Baumwoll-T-Shirt
• 2.400 l – Hamburger
• 8.000 l – Paar Rindslederschuhe
• 14.000 l –1 kg Rindersteak

Helle Lichter, dunkle Zeiten

„Licht am Tag“ im österreichischen Polittheater: gutes Casting, schlechter Auftritt. Das machtlose Publikum schreit jetzt „Buh“.

Licht am Tag stößt neuerdings auf geradezu sensationell breite Ablehnung: Drei Viertel der Autofahrer sind grundsätzlich dagegen. Dabei war das Gesetz doch mit wohlklingenden Verheißungen verbunden. Zum einen würde es ein jährliches Minus von 30 Verkehrstoten bewirken, zum anderen sollte dadurch das Unfallfahrerargument „Ich habe ihn nicht gesehen“ aus der Welt geschafft werden – als könnte sich dadurch eine Hauptursache für Unfälle, nämlich Unaufmerksamkeit und Zerstreutheit, einfach in Luft auflösen.

Verheißungen, die in ihrer augenfälligen Vertrotteltheit wie Anti-Aging-Werbeaussagen der Wellnessindustrie klingen, denen aber dennoch viele auf den Leim gegangen sind. Nach 15 Monaten sind wir jetzt gescheiter. Denn nein, es zeigten sich keine positiven Effekte auf die Verkehrssicherheit. Ganz im Gegenteil, die Anzahl der Fußgängerunfälle ist dramatisch gestiegen. Für die Autofahrer folgten Mehrkosten von 80 Millionen Euro jährlich (Treibstoff, Glühlampen, ohne Strafgelder), für die Umwelt ein Plus von etwa 1,5 Prozent der rund 25 Millionen Tonnen an straßenverkehrsbedingten CO2-Emissionen pro Jahr. Überraschung?
Wen das überrascht, der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, an die Ratlosigkeit der Bürger von Schilda ob der Finsternis in ihrem Rathaus zu erinnern. Denn all das war schon vorher sattsam bekannt. Etwa: Mehr Strom im Auto verlangt eben nach mehr Glühbirnen und mehr Treibstoff. Lampenauswechseln kann bei modernen Autos meist nur noch von Werkstätten durchgeführt werden und schlägt nicht selten mit 100 Euro und mehr zu Buche. Aus einem Liter Benzin werden durch Verbrennung 2,4 kg CO2 …


Copyright: Die Presse/Peter Kufner

Eine kurze Rückblende: Schon in den 1960er-Jahren zeigten Flottenstudien in den USA, dass Licht am Tag nichts bringt. Doch es macht Sinn: Etwa in Skandinavien, das mehr oder weniger für sechs Monate des Jahres in ganztägiges Halb- oder Ganzdunkel versinkt. Und tatsächlich wurde es in Schweden 1972 verpflichtend vorgeschrieben, allerdings mit jenem Tag, an dem von Links- auf Rechtsverkehr umgestellt wurde. Inzwischen wurde es längst auf die Wintermonate beschränkt.
Trotzdem planten Politiker 1995 in Österreich, Licht am Tag einzuführen. Nach Protesten von Augenärzten sowie von allen Autofahrerorganisationen winkte man jedoch ab. Zwei Jahre zuvor hatte übrigens der Deutsche Bundestag „auch nur die versuchsweise Einführung wegen enormer Kosten und hoher Umweltbelastungen“ – zusätzlich rund 1,5 Millionen Tonnen CO2– entschieden abgelehnt.

Seltsam: Zehn Jahre später greift Minister Gorbach das Thema erneut auf, eine Allianz aus dem plötzlich zum Befürworter mutierten ÖAMTC und dem von der Versicherungswirtschaft gesponserten – und vor allem von den Medien bislang für fast genauso unfehlbar wie der Papst für Katholiken gehaltenen – Kuratorium für Verkehrssicherheit stärkt ihm den Rücken. Augenärzte und VCÖ warnen vor schädlichen Auswirkungen, darunter Blendung, Reizüberflutung, Gefährdung von unbeleuchteten Verkehrsteilnehmern… Das Gesetz tritt im November 2005 in Kraft. Die Polizei, die wir Bürger eigentlich mit der Aufklärung und Verhinderung von Wohnungseinbrüchen und anderer Kriminalität beschäftigt wissen wollten, straft mit nie zuvor gesehenem Eifer.

Und jetzt? Institutionelle Befürworter beharren auf ihrer Position, verharmlosen die Umweltbelastungen und zitieren gebetsmühlenartig alle möglichen Studien, um sinnvolle Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit zu dokumentieren. Fakt ist, dass wissenschaftliche Beweise fehlen und dass bestenfalls statistische Korrelationen zu finden sind, ganz nach dem Muster „Die Bevölkerung von Kreta nimmt überdurchschnittlich viel Olivenöl zu sich, erfreut sich aber auch an einer überdurchschnittlichen Lebenserwartung. Folglich erhöht Olivenöl die Lebenserwartung.“

Korrelationen lassen natürlich alle anderer Faktoren – beispielsweise verbesserte Sicherheitseinrichtungen, geringere Kilometerleistung, bessere Versorgung von Unfallopfern – unberücksichtigt. Mit Erfahrungen und Denken wäre man wohl weiter gekommen.

Das ist zum Beispiel die Situation in der Schweiz: Dort ist das tödliche Unfallrisiko beinahe um die Hälfte geringer als in Österreich – ganz ohne Tagfahrlicht. Oder die Phänomene, die jeder von sich selbst kennt: Auf helle Lichtreize reagiert unser Auge mit einer Phase der „Abblendung“, also mit einem funktionellen Defizit. Auge und Wahrnehmung wandern innerhalb des Blickfeldes automatisch dorthin, wo eine Lichtquelle erscheint. Das „Restbild“ verdunkelt sich faktisch, die Aufmerksamkeit für Nichtbeleuchtetes nimmt stark ab. Licht am Tag gefährdet also alles, was nicht beleuchtet ist: Fußgänger, Radfahrer, Kinder.
Licht am Tag ist sinnvoll, aber nur für Motorräder. Denn wie ein gelber Leuchtstift auf einem schwierigen Text setzt es „Highlights“. Doch kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, einen gesamten Text zu „highlighten“. Warum macht das ein Politiker mit dem Straßenverkehr?

In seiner Skurrilität erinnert das Licht-am-Tag-Gesetz frappant an die Vorschriften über die Freisprecheinrichtungen und schrillen Pieptöne, die Lkw seit einigen Jahren beim Fahren im Retourgang aussenden müssen. Im Großstadtgetöse untertags sind sie kaum hörbar, schmerzlich laut werden sie dagegen um fünf Uhr Früh, wenn der 300 Meter entfernt liegende Supermarkt beliefert wird. Je nach Lage sind sie also überflüssig oder schädlich. Aber sie mussten gekauft werden.
Ähnlich ist das mit Freisprecheinrichtungen, die den Autofahrern aufgezwungen wurden: Erst nach sieben Jahren stellte sich heraus, dass sie sicherheitstechnisch keine Auswirkung haben, da die Hauptprobleme der Ablenkung (Wählen, emotionelle Belastung etc.) dadurch gar nicht gelöst werden. No na!

Mit Vernunft nicht nachvollziehbare Verhältnisse wie diese lassen bei vielen „Verschwörungsgedanken“ aufkeimen. Sicher ist jedenfalls, dass Licht am Tag sowohl Mineralölwirtschaft als auch Lampenindustrie beträchtliche Zusatzumsätze beschert. Und dass alleine in Brüssel zehn Mal mehr Lobbyisten – also von der Industrie bezahlte „Einflussnehmer“ – als Parlamentarier sitzen. Allerdings sollte man von politischen Entscheidungsträgern so etwas wie basales Denkvermögen, Verantwortungsgefühl und Realitätsnähe erwarten können.

An jenem Tag im Jahr 1972, an dem man in Schweden auf Rechtsverkehr umgestellt hat, ist es dort übrigens zu keinem einzigen Unfall gekommen. Das zeigt überdeutlich, dass es ohne Aufmerksamkeit keine Wahrnehmung gibt. Dass es in Sachen Verkehrssicherheit eigentlich um die Wahrnehmung ginge. Um die Wahrnehmungsfähigkeit aller. Sie müsste geschärft werden. Doch genau das Gegenteil passiert, die Reize um uns werden immer stärker. Doch je stärker die Reize werden, umso mehr steigen Stress und Aggressionen und geht die Aufmerksamkeit verloren. In 20 Jahren fahren wir dann wohl mit Fernlicht, Blaulicht und Folgetonhorn. Und alle werden nahezu blind und taub sein. Und die Alten werden sich wehmütig an die Zeiten erinnern, als man in der Stadt noch mit dem Standlicht gefahren ist – und vergleichsweise entspannt zu Hause angekommen ist.

Die wunderbare Welt der Sophie

Sophie Dudemaine ist für viele Franzosen die Retterin in der Not. Ihre Kuchen und Tartes sind mittlerweile landesweit erhältlich, schmecken aber derart überzeugend wie selbstgebacken, dass schon viele verzweifelte Gastgeberinnen ihr Gesicht mit einem cake de Sophie wahren konnten. Die eigentliche Urheberin hat nichts dagegen, dass ihre Kuchen als die eigenen ausgegeben werden, möchte sie doch vor allem ihre Kunden glücklich machen. Sophie Dudemaine hat geschafft, was sich viele erträumen: Von dem, was ihr Spaß macht, leben zu können, und das mittlerweile gar nicht schlecht. Im Grunde keine ausgebildete Köchin, hat sie dennoch eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Angefangen hat ihre Geschichte in ihrer eigenen Küche, als sie, Mutter einer kleinen Tochter, einen Nebenjob suchte, den sie von zuhause aus machen konnte. Ihr kam die Idee, Kuchen und Tartes zu backen und auf lokalen Märkten zu verkaufen. Durch Mundpropaganda fanden diese jedoch bald den Weg in die Feinschmeckerläden von Paris, aus der eigenen Küche wurde ausgelagert und in größerem Stil produziert. Dies jedoch ohne von der Einfachheit der Rezepte, von der Sophie Dudemaine noch immer überzeugt ist, abzukommen. Wenige Grundzutaten wie Eier und Obers plus je nach Rezept einige Beigaben – mehr braucht es nicht für ihre Kuchen und Tartes, und genau das ist ihr Erfolgsgeheimnis. Auch Menschen, die von sich sagen, überhaupt nicht kochen zu können, schaffen eine Tarte á la Sophie und gleich den passenden Salat dazu. Die Rezepte für die Tartes sind in diesem Buch jeweils von einem Salat begleitet, die französische Handschrift ist unübersehbar. So paaren sich etwa eine Weiße Käsetarte und ein Tomatensalat, eine Lauchtarte und ein Friséesalat mit Ziegenkäse oder eine Mandeltarte mit einem Melonensalat. Basis ist immer ein Mürb- oder Blätterteig, für die süßen Rezepte häufig ein Sandteig, je nach Belag braucht es dann noch Eier und Obers, Speck, vielleicht Sardellen, Auberginen usw. In jedem Fall aber pro Tarte nur wenige Zutaten, die überall erhältlich sein müssen, so das Credo der Köchin.
Das Prinzip Sophie ist einfach: ein Grundrezepte – unzählige Varianten. Hauptsache, man weiß, wie`s geht.
Fazit: Ein Kochbuch mit geradlinigen, aber dennoch nicht alltäglichen Rezepten, das Sie immer wieder aus dem Regal nehmen werden.

Rezept (im PDF Format):

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Sophie Dudemaine:
Sophies Tartes, Quiches und Salate

Gerstenberg Verlag, 160 Seiten
19,90 Euro


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