Skurrile Werbegeschäfte

Gegen gutes Geld verkaufen die ÖBB sogar die Namen ihrer Züge. Diese heißen daher unter anderem „OÖ Landesgartenschau Vöcklabruck“, „weiterwissen.at“ oder „Hopfen und Malz“. Rückschlüsse auf Zugsart oder Zielbahnhöfe unterliegen damit phantasievoller Deutung, wie das Beispiel „60 Jahre katholische Frauenbewegung“ zeigt: der Zug kriecht im Schneckentempo und hat schon in Salzburg Endstation.

Weitere Verwirrung droht obendrein, weil beim Werber- bzw. Fahrplanwechsel aus einem IC „Bruckner Orchester Linz“ über Nacht ein „Licht für die Welt“ werden kann. Trotzdem: Vielleicht finden ja auch andere Branchen Gefallen an dieser „Alles-verscherbeln“-Idee. Zum Beispiel ein deutscher Autohersteller wie Mercedes – mit dem Namen „Pannennotruf 123“ für ein neues Modell.

Einfach schlafen

Der Mensch und der Schlaf – schon immer ein zwiespältiges Verhältnis. Lernen wir, diesen wichtigen Teil unseres Lebens besser zu nutzen.

In abendländischen Kulturen galt der Schlaf lange Zeit als Zeichen der Trägheit und wurde als wertloser Leerlauf gesehen. Asiatische Philosophen hingegen sahen in ihm den einzig wahren und erstrebenswerten Zustand des Menschen, der uns mit der Welt vereint.
Manche können nicht genug davon bekommen und geben „Schlafen“ sogar als Hobby an, andere wiederum fühlen sich durch ihr Bedürfnis nach Schlaf in ihrem Tatendrang gehemmt, halten diesen Zustand für verlorene Zeit.
Fest steht jedenfalls: Wir brauchen Schlaf. Wie viel davon, ist freilich unterschiedlich. Fest steht auch, dass wir mehr profitieren, wenn wir uns ihm ausliefern, ihn akzeptieren als notwendige Auszeit und ihn als ganzheitlich arbeitende „Reparaturwerkstatt“ schätzen lernen. Nicht nur die Haut braucht schließlich Schlaf, um gesund zu bleiben, auch das Gedächtnis weiß ihn zur Festigung von Gelerntem zu nutzen.
Entscheiden wir uns dafür, dem Schlaf ein Drittel unseres Lebens zu schenken – es zahlt sich aus. Wer bereit ist, an seinen Schlafgewohnheiten zu arbeiten und die richtigen Bedingungen für guten Schlaf zu schaffen, wird mit innerer Ausgewogenheit und lebendiger Ausstrahlung belohnt werden.

Schäfchen zählen hat ausgedient

Der Wiener Schlafmediziner Dr. Martin Huppmann weiß aus Erfahrung, dass viele Schlafstörungen banale Ursachen haben können. In vielen Fällen reiche ein wenig Aufwand und Bereitschaft zum Umdenken, um den Schlaf wieder zu dem zu machen, was er sein sollte: ein essentieller Erholungszustand, der unsere Aufmerksamkeit verdient.
Zu ruhigem Schlaf trägt etwa ein geregelter Tagesrhythmus bei. Rituale vor dem Schlafengehen signalisieren dem Körper, dass er seine Funktionen herunterfahren soll: zum Beispiel eine Tasse Kräutertee, ruhige Musik oder eine Plauderei auf der Sofa – jedoch kein Fernsehen, da die Kombination von Bild und Ton unbewusst noch lange nachwirkt. Innere Unruhe ist schließlich mit der größte Feind von erholsamem Schlaf, psychisches Gleichgewicht dafür fast unerlässlich. Oft wirkt es befreiend, vor dem Schlafengehen Dinge aufzuschreiben, die uns im Kopf herumspuken. Dinge, die am nächsten Tag erledigt werden müssen, Ärger, der nicht geäußert wurde.

Wie man sich bettet, so liegt man

Eine wichtige Rolle kommt, so Dr. Huppmann, dem Raum zu, in dem wir uns zur Ruhe betten. Ruhig, gut belüftet, nicht zu warm und nicht zu klein sollte das ideale Schlafzimmer sein, das Gefühl einer gewissen Offenheit und der freie Blick zu Tür oder Fenster wirken sich positiv auf das unbewusste Sicherheitsgefühl und somit auch auf den Schlaf aus. Welches Bett man bevorzugt, hängt von Statur und Gewohnheit ab, zu weiche Betten muten zwar kuscheliger an, führen allerdings häufig zu Verspannungen. Wichtig ist, dass wir das Bett nur zum Schlafen aufsuchen: Fernsehen, allzu viel Lesen oder gar Herumlungern mit Freundinnen entweihen die Schlafstatt als gleichsam heiligen Ort, der – wie schon erwähnt – von gewissen Ritualen geprägt sein sollte.
Zahlreiche Einschlafprobleme entpuppen sich übrigens lediglich als Folge von übermäßigem Kaffee- oder Schwarzteegenuss, dieser hat größeren Einfluss auf das Schlafverhalten als gemeinhin angenommen. Der Schlafforscher Dr. Huppmann empfiehlt, auf diese Getränke nach 17 Uhr konsequent zu verzichten, um nicht um drei Uhr früh ungläubig die Zeiger der Uhr anzustarren – im Bewusstsein, noch nicht geschlafen zu haben. Daher noch ein Tipp: Schauen Sie in der Nacht nicht auf die Uhr. Wer angesichts der Uhrzeit panisch versucht, schnell einzuschlafen, kann damit rechnen, es nicht so bald zu tun.

Sägewerk im Schlafzimmer

Schnarchen gehört zu den häufigsten Störfaktoren. Medizinisch gefährlich ist laut Dr. Huppmann die krankhafte Form des Schnarchens, das Schlafapnoe-Syndrom, das zu nächtlichem Sauerstoffmangel und in weiterer Folge zu Gehirn- oder Kreislaufschäden und pathologischer Tagesmüdigkeit führen kann. Ebenso negativ auf erholsamen Schlaf wirkt sich eingeschränkte Nasenatmung aus – wer an Allergien oder Polypen leidet, erreicht weniger Tiefschlaf. In einem Schlaflabor kann festgestellt werden, welche Faktoren für Schlafstörungen verantwortlich sind, die weitere Behandlung hängt von den Ergebnissen ab.
Für den Anfang sollte man es jedoch mit den oben genannten Veränderungen versuchen. Ein gesunder Schlaf bedeutet zwar manchmal ein wenig Arbeit – es lohnt sich aber!

Adressen von Schlaflabors finden Sie unter www.schlafmedizin.at.

Zum Weiterlesen:

Josef Bernhard, Nadja Brandstätter:
Das Glück kommt im Schlaf

Verlag Christian Brandstätter, 160 Seiten
25 Euro
Ein Plädoyer für den Schlaf und ein sehr hilfreiches, gut zu lesendes Kompendium. Ruhige Bilder und eine angenehme Schrift machen das Buch außerdem zur idealen Abendlektüre.

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Robert Schneider:
Schlafes Bruder

Reclam Verlag
8,90 Euro
Die Romanvorlage zum berühmten Film.

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Gut geschummelt – halb gewonnen

Wir wundern uns manchmal über die ach so „schnellen“ Gerichte, die uns in TV-Kochshows vorgezaubert werden – eine großzügige Portion schon geschälter Perlzwiebeln wird dabei freilich von einer helfenden Hand unauffällig ins Bild gereicht. Wer aufmerksam ist, erkennt: Dieses Gericht kann sich niemals in der angegebenen Zeit ausgehen. Hier wird also geschummelt, was das Zeug hält, um beim Zuschauer Erstaunen und Bewunderung hervorzurufen.
Die Besitzerin des Wiener Kochbuchladens „Babette’s“, Nathalie Pernstich, zeigt nun mit ihrem Buch „Schummelküche“, dass man auch ohne fremde Hilfe ein mehrgängiges Menü in zwei Stunden kochen kann. Ohne fleißige Assistenten im Hintergrund, ohne Fertiggerichte zu integrieren, einfach mit dem richtigen Schummel-Know-how.

Kochkursprofi Pernstich führt sowohl nützliche Utensilien an als auch wichtige Zutaten, die die Grundlage bilden für das Gelingen der Menüs. Was ihre Speisen von anderen „Blitz-Gerichten“ unterscheidet, sind die vielen nützlichen Tricks, um Eindruck zu schinden. Pernstich zeigt sich in dieser Hinsicht ehrlich und gibt zu, dass vieles nur Show ist. Aber eine Hülle, die kompliziert aussieht, macht nun einmal Eindruck, und genau dies solle man sich zunutze machen – warum auch nicht? So wird der Apfelstrudel nicht in üblicher Form präsentiert, sondern als Säckchen, der Blunzenstrudel hingegen quasi dekonstruiert und als Lasagne angerichtet. Beim karamellisierten Obst bedient sich die Autorin eines Effekts, der schon beim Chinesen ums Eck das gebackene Eis zu adeln versteht: des Flambierens. Sie zeigt, dass man mit Fertigteigen wahrlich zaubern kann – die eleganten Mandelstangen zum Sorbet fordern nicht viel mehr Zeit als das Aufreißen einer Waffelpackung.
Mit diesem sehr erfreulichen Buch erwirbt man in jedem Fall eines gleich mit: die Lizenz zum Schummeln.

Rezepte (im PDF Format):
Download

Nathalie Pernstich:
Schummelküche

avBuch, 136 Seiten
35 Euro


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