Falsche Gäste

Die Einladung zum Essen in den eigenen vier Wänden ist meist eine feine Sache, vor allem wenn es draußen kalt ist. Was man aber für einen gelungenen Abend wirklich braucht, sind die richtigen Gäste.

Fürs Einladen nach Hause gibt es unterschiedliche Gründe. Die edle, rein altruistische Absicht, völlig selbstlos liebe Freunde zu bewirten, steckt wohl nicht immer hinter einer Einladung. Eher will die neue, aberwitzig teure Küche samt Abfallzerkleinerer und Dampfgarer bewundert werden, der aus der Toskana eigenhändig importierte Wein verkostet (ein superspannender Diavortrag über die immergleichen Hügel schon im Paket enthalten) und der neue Austernhandschuh (respektive Trüffelhobel) vorgeführt.

Kurz: Eine Einladung nach Hause ist die ideale Bühne für sämtliche Selbstdarsteller. Umso ärgerlicher daher, wenn die Gäste den Spieß umdrehen und sich selbst inszenieren!

Stark parfümierte Stehpinkler

Wir haben alle eine Vorstellung von idealen Gästen: Nicht zu stark parfümiert, gut gelaunt, großzügig, was das Verzeihen von kleinen Pannen betrifft, und großzügig in Hinblick auf Mitbringsel (und damit meinen wir nicht den zehnten Champagnerkorkenzieher und ähnliche Küchenschubladenverstopfer, die wie ein Wanderpokal im Bekanntenkreis weiterverschenkt werden, manchmal sogar noch im selben Geschenkpapier).
Ideale Gäste tragen keine neuen Blue Jeans, wenn wir weiße Sofas haben, und keine Stilettos, wenn der Boden neu ist. Sie sind überzeugte Sitzpinkler, egal welchen Geschlechts.
Sie stehen nicht in der Küche im Weg und begutachten auch nicht den Kühlschrank, um dann naserümpfend festzustellen, dass sie „immer frischen Parmesan“ vorrätig hätten, keine abgepackten Sägespäne.

Sie nerven ihre Sitznachbarn nicht mit Predigten über das optimale Temperieren von Wein, sie räumen die ausgetüftelte Tischdeko nicht zur Seite mit dem Hinweis, ein schlicht gedeckter Tisch sei doch noch immer der schönste.
Ideale Gäste werden nicht blass um die Nase, wenn sie ein Seeteufelfilet auf dem Teller vorfinden, das wir unter Aufbietung aller Ellbogenkräfte am Samstag kurz vor Ladenschluss gerade noch erstanden haben – „hat Michael dir nicht gesagt, dass ich keinen Fisch esse, weil ich als Kind einmal fast an einer Gräte erstickt wäre?“. (Nein hat er nicht, er hat nur deine sämtlichen anderen Pseudonahrungsmittelallergien aufgezählt.)
Ideale Gäste drängeln nicht am Buffet und sie geben keine Kommentare ab wie „Ein Risotto ist doch immer angenehm zu kochen, weil es keine Vorbereitung braucht, nicht?“, wenn wir die frischen Artischocken für besagtes Risotto vorher in nervtötender, endloser Fitzelarbeit entfasert und zugeschnitten haben.

Kein Fleisch, kein Fisch, kein Gemüse

Fast noch schlimmer als selbsternannte Allergiker sind diejenigen (meist ohnedies superdünne Frauen), die zwar „eigentlich total gerne essen“, aber heute lieber mal dinner cancelling machen – „ich habe in letzter Zeit ein wenig zu viel Süßes gegessen“ – und nur etwas trinken würden. Und das, während nebst vier anderen Gängen zwei ganze Lachse im Rohr warten.
Kennen Sie das Problem, nicht im Geringsten zu wissen, was man kochen soll? Aber nicht, weil wir keine Kochbücher besitzen (nein, ganz im Gegenteil), sondern weil jeder Gast im Vorhinein seine Phobien deponiert, und davon nicht wenige.
Kein rotes Fleisch, aber bitte auch keinen Fisch, und bloß keine Meeresfrüchte und ähnliche Skurrilitäten! Keine rohen Eier, keine Hülsenfrüchte („sonst müsst ihr mich anbinden, damit ich nicht davonfliege, hahaha“, verlautbart Dieter am Telefon), kein Gemüse nach sechs Uhr Abends – „ach, das gärt doch so im Magen“, klagt Eva. Und ja niemals Koriander für Alexander!
Und da soll sich bitte niemand beschweren, wenn wir das nächste Mal lieber zum Italiener ums Eck einladen …
Nichtsdestotrotz: Einen Vorteil haben die falschen Gäste. Man kann sich später genüsslich den Mund über sie zerreißen.

Emily Chalmers:
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Be My Guest

Wie Sie weiter oben lesen können, kommt es bei einer gelungenen Einladung nicht nur aufs Essen an, sondern auch auf die Gäste. Allerdings kann man deren Verhalten nur schwer beeinflussen – klar, manche sollte man besser erst gar nicht einladen –, fürs Essen sind aber nun einmal wir verantwortlich. Sei es, dass wir einen Caterer beauftragen, fertige Snacks bereitstellen oder, und das beeindruckt unsere Gäste sicher mehr, uns selbst an den Herd stellen.

Was die beiden Autorinnen dieses soeben erschienenen Buches verbindet, ist die Lust am Einladen, am Gestalten eines unvergesslichen Erlebnisses für Freunde und Familie. Dass es dafür viele Gelegenheiten gibt, vom Brunch über die Cocktailparty bis hin zur Asian-Lunch-Party, stellen sie mit zahlreichen Rezepten, die den jeweiligen Voraussetzungen wie Uhrzeit oder Anzahl der Gäste angepasst sind, unter Beweis.
Neben Rezepten, die wir schon von anderswo kennen, wie dem Müsli oder den Brandteigkrapferln finden sich auch solche, die nicht zu einem 08/15-Rezeptfundus zählen, etwa die Banana-Fritters oder die Zitrus-Crème-Brulée.

Man merkt den Autorinnen an, dass sie kosmopolitisch geprägt sind: Rezepte mit französischem Einfluss stehen neben solchen mit asiatischem. Kleine Tipps zu jedem Gericht helfen dabei, die Rezepte ein wenig abzuwandeln, oder geben Hinweis darauf, was schon am Vortag vorbereitet werden kann. Das Buch könnte besser lektoriert sein und wartet nicht mit großen Aha-Erlebnissen und Überraschungen auf. Es ist aber, nicht zuletzt wegen der schön gestalteten Titelseite, ein schickes Kompendium zum Thema „Einladen“, das Lust macht auf Kochen und Bewirten von Freunden.

Rezepte (im PDF Format):
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Annabelle Knaur-Trauttmansdorff und Sophie Senger-Weiss:
Be My Guest

Kreative Lifestyle-Rezepte für jeden Anlass
Christian Brandstätter Verlag
176 Seiten, zahlreiche Farbfotos
29,90 Euro


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